Hunde sind keine Geschenke: Weder zum Geburtstag noch zu Weihnachten

Hunde sind keine Geschenke

Jedes Jahr zu Weihnachten und Ostern werden Haustiere zum Geschenk für Kinder, tierliebende Partner oder Verwandte. Ist die Geste auch gut gemeint, nimmt sie in einigen Fällen kein angenehmes Ende für das verschenkte Tier, denn viele von ihnen landen bereits nach kurzer Zeit in einem Tierheim, oder werden ausgesetzt. Geht der Anschaffung eines Tieres keine sorgfältige gemeinsame Planung voraus, besteht die Gefahr, dass die Beschenkten mit der Pflege des Tieres überfordert sind, oder das ausgewählte Tier nicht den Vorstellungen des neuen Besitzers entspricht. Weil sich die Chemie zwischen Hund und Halter weder vorhersehen, noch erzwingen lässt, ist es riskant, wenn der spätere Halter nicht bei der Auswahl des Haustiers dabei ist. Kein Wunder also, dass in den ersten Wochen nach den Oster- und Weihnachtsfeiertagen die Anzahl der im Tierheim abgegebenen Tiere drastisch ansteigt, was diese an logistische Grenzen bringt und mit viel Tierleid verbunden ist.

Es scheint nicht immer die Sonne

Als Elternteil tierlieber Kinder liegt die Idee nahe, dem Sohn oder der Tochter mit der Anschaffung eines Hundes eine Freude zu bereiten. Oftmals ist ihr Wunsch nach einem Hund kein Geheimnis und viele Kinder sind geradezu hingerissen von jedem Hund, dem sie auf der Straße begegnen. Häufig bitten Kinder die Eltern auch immer wieder um die Anschaffung eines Tieres und garantieren geradezu, sich selbständig und verantwortungsvoll darum zu kümmern, aber nicht nur im Straßenverkehr sollte man Kinder hier vom Vertrauensgrundsatz ausschließen, denn ihnen ist in der Regel nicht bewusst, was die Pflege eines Tieres für den Alltag aller Betroffenen bedeutet. Kinder tendieren dazu, die Tierpflege sehr einseitig zu betrachten. Sie denken an das Gassi-Gehen im Sonnenschein, das Streicheln, Bürsten und Spielen mit dem Hund, berücksichtigen aber nicht, dass ein Hund nicht nur bei gutem Wetter und öfter als einmal täglich ausgeführt werden muss. Auch die Entsorgung des Hundekots liegt häufig außerhalb ihres Gedankenhorizonts und selbst wenn sie darauf hingewiesen werden, werden sie mit allen Mitteln versuchen, die Eltern von ihrem Verantwortungsbewusstsein zu überzeugen, um den Wunsch nach einem Hund erfüllt zu bekommen.

Der Mensch denkt, der Hund lenkt

Nicht nur Kinder sind anfällig dafür, sich den Alltag mit einem Hund einfacher vorzustellen, als es der Fall ist. Wer versucht, ein Lebewesen in den gemeinsamen Haushalt zu integrieren, muss sich vor Augen halten, dass jeder Hund ein einzigartiges Wesen besitzt, das sich nicht jedem vorgefertigten Plan fügt. Hund ist nicht gleich Hund und selbst, wenn man sich viele Gedanken über die zum Lifestyle passende Rasse macht, ist nicht vorhersehbar, wie sich das ausgewählte Individuum im Zusammenleben verhält. Beim Aufsuchen des Züchters, Händlers oder Tierheims kann es zunächst so aussehen, als würde die Chemie auf Anhieb stimmen, die Reaktion auf das neue Umfeld, die anderen Familienmitglieder insbesondere dem Beschenkten und die Zufriedenheit des Tiers mit seiner neuen Umgebung ist aber nicht vorhersehbar.

Die Qual, nicht die Wahl zu haben

Zum Teil liegt es aber nicht nur an der Unzufriedenheit des Hundes mit seiner neuen Umgebung. Die Rassenvielfalt ist so groß und die Vorstellung vom „perfekten Hund“ so individuell, wie jeder Mensch selbst und so kann es schnell zu Irrtümern kommen, wenn man glaubt, einen Hund für jemand anderen aussuchen zu können. Während sich der eine einen gemütlichen Familienhund wünscht, mit dem man entspannte Nachmittage auf der Couch verbringen kann, wünscht sich ein Familienmitglied vielleicht einen Hund, der ihn/sie beim Joggen begleitet. Auch hinsichtlich der Größe, der Optik und des Wesens sind die Vorlieben stark verschieden, weshalb es nicht einfach ist, auf einen grünen Zweig zu kommen. Selbst wenn man die Wünsche des Beschenkten genau kennt, handelt es sich bei einem Hund um ein Familienmitglied, das mit der ganzen Familie harmonieren sollte und es stellt eine irrsinnige Herausforderung für den Hund dar, wenn er allen Vorstellungen gerecht zu werden hat.

‚drum prüfe, wer sich ewig bindet

Wer sich von der Begeisterung eines Kindes für Hunde dazu hinreißen lässt, diesem den Wunsch nach einem eigenen Hund zu erfüllen, bedenkt häufig nicht, dass damit eine Verantwortungs-Verpflichtung für viele Jahre eingegangen wird. Je nach Rasse können Hunde bis zu 20 Jahre alt werden. Bereits ein in stabilen Verhältnissen lebender Erwachsener wird nicht ohne Zweifel festlegen können, wie sein Leben in 20 Jahren aussehen wird. Bei einem Kind oder Jugendlichen ist die Zukunft aber noch weitaus weniger planbar und es ist davon auszugehen, dass zunächst für die Ausbildung der Wohnort gewechselt wird oder sich zumindest die Freizeit so stark reduziert, dass die Pflege eines Tieres nicht mehr alleine möglich ist. Wenn Kinder schließlich erwachsen werden und sich ihr Lebensmittelpunkt zunehmend vom zu Hause der Eltern entfernt, ist es oftmals auch nicht möglich, den Hund mitzunehmen, da viele Studentenheime und Vermieter keine Haustiere dulden, Reisen angetreten werden, oder schlicht zu wenig Zeit für ein Tier bleibt. Der Hund bleibt dann in der Obhut der Eltern, die aber zu diesem Zeitpunkt zumeist noch voll berufstätig sind. Selbst wenn sich der Alltag mit dem Hund dann noch händeln lässt, indem das Tier viel Zeit alleine zu Hause verbringt, stellt die Planung jedes gemeinsamen Urlaubs eine Herausforderung dar. Spätestens zu diesem Zeitpunkt entscheiden sich viele dazu, den Hund abzugeben- sehr zum Leid des Hundes, der mit dem Umzug in ein Tierheim sein gesamtes bekanntes Umfeld verliert. Wahre Tierfreunde setzen also das Wohl des Hundes, vor den eigenen Wunsch, sich jetzt ein Tier anzuschaffen, wenn die optimalen Bedingungen für sein Wohl nicht dauerhaft gewährleistet werden können.

Aus gutem Hause?

Zuletzt ist auch der Kostenpunkt bei der Anschaffung eines Hundes zu bedenken. Züchter und Fachhändler verlangen zum Teil sehr hohe Preise, wobei sich diese zum einen nach der Rasse, zum anderen nach der „Reinheit“ des Erbguts des Tieres richten. Wer also einen reinrassigen Hund möchte und sich den Status durch Papiere bescheinigen lassen will, hat hierfür oft einen hohen Preis zu zahlen. Verglichen damit fallen die Kosten für Mischlinge und die Schutzabgaben für Tierheimhunde geradezu lächerlich gering aus, es ist aber nicht zu unterschätzen, dass es sich bei bereits erwachsenen Hunden aus dem Tierheim um Lebewesen mit nicht unproblematischer Vergangenheit handelt. Das äußert sich in manchen Fällen durch eine Skepsis manchen Menschen gegenüber oder unvorhersehbaren Verhaltenseigenschaften und -Auffälligkeiten. Holt man sich einen jungen Mischling ins Haus, ist häufig nicht sicher, wie sich dieser optisch und hinsichtlich des Charakters entwickeln wird, weshalb viele gerne Züchter aufsuchen, die bereits auf Erfahrungen mit der gezüchteten Rasse zurückgreifen können.

Fair gehandelt?

Weil viele die Kosten von Rassehunden scheuen, sind seit einigen Jahren auch illegale Züchtungen auf dem Vormarsch. Hierzulande lassen sich viele Menschen dazu hinreißen, Tiere aus dem Ausland, die von angeblichen Tierschützern weg vom leidvollen Leben in ihrer Heimat hierher gebracht werden, zu „retten“. Tatsächlich trägt man damit aber nicht zur Verminderung des illegalen Welpenhandels bei, sondern ermöglicht, durch den Kauf eines solchen Hundes, noch, dass die Händler mit ihrer Methode Erfolg haben. An der falschen Stelle zu sparen, oder sich zu wenig informiert an nicht registrierte Händler zu wenden, ist demnach nicht mit dem Tierschutz vereinbar.

Was kostet ein Leben?

Während die Anschaffungskosten noch relativ gut kalkulierbar sind, darf nicht vergessen werden, dass ein Hund Zeit seines Lebens Kosten verursacht. Seine Grundbedürfnisse gehören vom Lebensanfang bis zu seinem Ableben gestillt, was wöchentliche Kosten für Futter, aber auch unregelmäßige Ausgaben wie eine Leine, Spielzeug, Fellschnitt und vieles mehr bedeutet. Ein großer Kostenpunkt sind auch Tierarztkosten. Selbst wenn man die regelmäßigen Gesundheitschecks und Impfungen berücksichtigt, kann es auch bei Hunden zu unvorhersehbaren Krankheiten und Unfällen kommen, die einen liebenden Hundebesitzer plötzlich vor die moralisch quälende Frage stellen, wie viel Geld einem die Gesundheit des Hundes wert ist. Nicht einkalkulierte Operationen und Therapien können das Budget des Beschenkten oder der Familie sprengen, dem Tier eine adäquate medizinische Versorgung zu versagen, bringt aber sowohl beim Tier als auch beim Menschen erhebliches Leid mit sich. Auch hier agiert ein wahrer Tierfreund also verantwortungsbewusst, indem er sich nur einen Hund anschafft, wenn er sicherstellen kann, dass er ihm, im Falle des Falles, eine gute medizinische Versorgung bieten kann.

Wenn sich zwei finden…

Jeder Hund ist ein einzigartiges Wesen, das seine Besitzer mit seinem Charakter zu verzaubern in der Lage ist. Als bester Freund des Menschen sind Hunde Balsam für die Seele und eine Bereicherung für das Leben jedes Menschen, dem sie sich öffnen. Dennoch ist es keine gute Idee, einem anderen Menschen ein so wundervolles Lebewesen zum Geschenk zu machen, weil die Folgen für das Leben des Beschenkten und des Hundes viel weitreichender und unvorhersehbarer sind, als man sich vorstellen kann. Wer das Wohl des Hundes im Sinn hat, stellt vor der Anschaffung klare Überlegungen an, ob er/sie dem Hund wirklich das Leben bieten kann, das er verdient und unterlässt es, sich einen ins Haus zu holen, wenn das nicht mit Sicherheit gewährleistet werden kann. Ist der zu beschenkende Mensch tatsächlich bereit für einen eigenen Hund, kann es wunderschön sein, sich gemeinsam nach einem passenden Hund umzusehen. Der neue Besitzer sollte aber niemals mit einem Hund überrascht werden. Zwischen dem neuen Familienmitglied und dem neuen Besitzer muss die Chemie stimmen und nicht selten liegt die Magie des Augenblicks in dem Moment, in dem sich die Blicke von Hund und Halter das erste Mal treffen und man das zukünftige Familienmitglied aus der Menge vieler anderer Hunde als das Seine auserwählt.

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